Language:
Welcome Guest Login or Signup » LOGOUT

Go Back   LDS Social Network Forums > Non-English Forums > Deutschsprachiges HLT Forum

Notices

Reply
 
Thread Tools Display Modes
  #31 (permalink)  
Old 06-16-2009, 04:55 AM
Banned
 
Join Date: Jun 2009
Location: Germany
Religion: Other
Posts: 12
Thanks: 1
Thanked 0 Times in 0 Posts
Laughs: 0
Laughs at 0 Times in 0 Posts
Default

Vielen Dank für die Links, Roland. I appreciate it.
Reply With Quote
  #32 (permalink)  
Old 08-07-2009, 07:26 AM
ConnieM's Avatar
Member
 
Join Date: Jul 2009
Location: Germany
Posts: 58
Thanks: 46
Thanked 21 Times in 19 Posts
Laughs: 8
Laughs at 10 Times in 4 Posts
Default

Ein vollkommenes Herz Eines Tages stand ein junger Mann mitten in der Stadt und erklärte, er habe das schönste Herz der Welt. Eine große Menschenmenge versammelte sich und bewunderte sein Herz, denn es war vollkommen. Ja, es gab keinen Fleck oder Fehler daran, und alle gaben ihm Recht: Es war wirklich das schönste Herz, das sie je gesehen hatten.
Da trat ein alter Mann hervor und sagte: „Nun, dein Herz ist nicht annähernd so schön wie meines.” Die Menschen musterten das Herz des alten Mannes. Es schlug kräftig. Aber es war voller Narben und hatte Stellen, wo ganze Stücke entfernt und durch andere ersetzt worden waren. Manche passten nicht richtig, und an verschiedenen Stellen waren tiefe Furchen oder fehlte sogar etwas.
Die Leute starrten ihn an und dachten: „Wie kann er behaupten sein Herz sei schöner?“ Und der junge Mann sah das Herz des alten Mannes und lachte: „Du musst scherzen”, sagte er, „dein Herz mit meinem zu vergleichen. Meines ist vollkommen und deines ein heilloses Durcheinander aus Tränen und Narben.”
„Ja”, sagte der alte Mann, „deines sieht perfekt aus. Aber ich würde niemals mit dir tauschen wollen. Sieh mal, jede Narbe steht für einen Menschen, dem ich meine Liebe geschenkt habe. Ich nehme ein Stück meines Herzens und gebe es ihnen. Und oft geben sie mir ein Stück ihres Herzens zurück, das in die leere Stelle passt. Aber weil die Stücke selten ganz genau geraten gibt es einige rauhe Kanten, die ich sehr schätze, denn sie erinnern mich an die Liebe die wir geteilt haben.
Viele Male habe ich auch schon ein Stück meines Herzens verschenkt ohne daß ich etwas zurück erhalten hätte. Das sind die tiefen Furchen, die seither leer geblieben sind”, sagte der alte Mann traurig. „Aber Liebe geben heißt immer auch ein Risiko einzugehen. Und selbst wenn diese Furchen schmerzhaft sind und offen bleiben, sie erinnern mich an die Liebe, die ich für diese Menschen empfinde ... und ich träume davon, daß sie eines Tages zurückkehren und ihren Platz ausfüllen werden. Erkennst du jetzt was wahre Schönheit ist?”
Der junge Mann stand schweigend da und Tränen liefen über seine Wangen. Er griff nach seinem jungen, schönen Herzen, nahm ein Stück heraus und bot es dem alten Mann mit zitternden Händen. Der alte Mann nahm das Angebot lächelnd an und setzte es in sein Herz. Dann nahm er ein Stück seines alten, vernarbten Herzens und heilte damit die Wunde des jungen Mannes.
Es passte nicht genau, da es einige Unregelmäßigkeiten hatte. Doch der junge Mann sah sein Herz an, das nun nicht mehr vollkommen war, aber schöner als je zuvor, und spürte die Liebe des alten Mannes durch sein ganzes Wesen fließen. Und sie umarmten sich voll Mitgefühl und gingen ihrer Wege.
Narben am Körper bedeuten, daß man gelebt hat. Narben auf der Seele, daß man geliebt hat.
Reply With Quote
The Following User Says Thank You to ConnieM For This Useful Post:
Roland (08-15-2009)
  #33 (permalink)  
Old 08-07-2009, 07:34 AM
ConnieM's Avatar
Member
 
Join Date: Jul 2009
Location: Germany
Posts: 58
Thanks: 46
Thanked 21 Times in 19 Posts
Laughs: 8
Laughs at 10 Times in 4 Posts
Default

Der Adler
Haben Sie schon mal die Parabel vom Adler gehört?
Ein Mann ging durch den Wald und suchte nach irgendeinem interessanten Vogel. Er fing einen jungen Adler, bracht ein nach Hause und setzte ihn zu seinen Hühnern, Enten und Truthähnen. Der Adler wurde mit Hühnerfutter gefüttert, obwohl er ein Adler war, der König aller Vögel.

Fünf Jahre später besuchte diesen Mann ein Naturforscher. nachdem er seinen Garten gesehen hatte, sagte er:“ Dieser Vogel ist ein Adler und kein Huhn!“ „Ja“, sagte der Besitzer, „aber ich habe ihn erzogen, ein Huhn zu sein. Er ist kein Adler mehr. Er ist ein Huhn, obwohl er von der Spitze des einen Flügels bis zur an Spitze des anderen Flügels 3 Meter lang ist. „Nein“, sagte der Forscher. „Er ist immer noch ein Adler, er hat das herz eines Adlers und ich werde dafür sorgen, dass er hoch in die Lüfte fliegt.“ „Nein“, sagte der Besitzer „Er ist ein Huhn, und er wird niemals fliegen“.
Sie einigten sah darauf, einen Versuch zu starten. Der Forscher hob den Adler auf seinen Arm und sagte: „Du gehörst den Lüften und nicht der Erde. Breite deine Flügel aus und fliege!“ Der Adler drehte sich hin und her, blickte zum Boden und sah, wie die Hühner nach ihrem Futter scharrten und sprang zu ihnen. Der Besitzer sagte:“ Ich habe es Ihnen ja gesagt, er ist ein Huhn“ „nein“, sagte der Forscher “er ist ein Adler. Wir probieren es morgen noch einmal.“ Am nächsten Tag also stieg der Forscher mit dem Adler auf das Dach eines Hauses und sagte: „Adler, du bist ein Adler. Breite deine Flügel aus und fliege“ Als der Adler die Hühner beim fressen sah, sprang er hinab und fraß mit ihnen. „Ich habe es ihnen schon einmal gesagt“, sagte der Besitzer, „er ist ein Huhn.“ „Nein! Er ist ein Adler und hat immer noch das Herz eines Adlers. Morgen bringe ich ihn dazu zu fliegen.“ Am nächsten Tag stand der Forscher früh auf und nahm den Adler mit. Er verließ die Stadt und ging zum Fuße des Berges, weit weg von den Häusern.

Die Sonne ging gerade auf und schwebte mit ihrem goldenen Schein zu den Bergspitzen. Alles erfreute sich an diesem strahlenden Morgen. Der Forscher hob den Adler auf und sagte zu ihm: „Du bist ein Adler. Du gehörst den Lüften und nicht der Erde. Breite deine Flügel aus und fliege!“ Der Adler blickte sich um und bebte, als ob neues Leben in ihn floss. Aber er flog nicht. Der Forscher drehte ihn so, dass er genau in die Sonne schaute. Plötzlich breitete er seine Flügel aus und flog mit dem Schrei eines Adlers davon. Es gibt nichts Rechtschaffenes was wir nicht tun können! Es gibt keine Talente oder Fähigkeiten, die außerhalb unserer Reichweite liegen. Seien sie geduldig und eifrig, SIE KÖNNEN ES!
Die Kombination von Talenten, Erfahrungen und Einsichten, die in uns schlummert, ist vielleicht der Schlüssel um die Türen zu öffnen, die uns bis jetzt verschlossen waren.
Reply With Quote
The Following User Says Thank You to ConnieM For This Useful Post:
Roland (08-15-2009)
  #34 (permalink)  
Old 08-07-2009, 07:35 AM
ConnieM's Avatar
Member
 
Join Date: Jul 2009
Location: Germany
Posts: 58
Thanks: 46
Thanked 21 Times in 19 Posts
Laughs: 8
Laughs at 10 Times in 4 Posts
Default

Wer macht die Musik?

Es war einmal eine große Mäusefamilie. Die lebte in einem herrlichen Klavier.

Ihre kleine Welt war oft erfüllt von wunderbarer Musik. Die Mäuse genossen die Musik und machten sich Gedanken darüber, von wem die schönen Klänge wohl stammten. Sie dachten da muß es einen Klavierspieler geben, den sie zwar nicht sehen konnten, der aber ihnen doch hörbar nahe war.

Eines Tages wagte sich eine Maus weiter nach oben in das Klavier. Und da entdeckte sie das Geheimnis der Musik. Metalldrähte von unterschiedlicher Länge zitterten, und durch ihre Schwingungen entstanden die Töne. So mußten die Mäuse ihren alten Glauben an den Klavierspieler aufgeben. Metalldrähte erzeugten die schöne Musik, die wunderbaren Klänge.

Einige Zeit später brachte eine andere Maus noch neuere Erkenntnisse mit. Kleine Filzhämmerchen sprangen und tanzten auf den Drähten und erzeugten die Schwingungen und damit die Musik. Nun war der alte Glaube überholt, und die Mäuse wohnten in einer aufgeklärten, wissenschaftlich durchschaubaren Welt.

Aber der Klavierspieler machte auch weiterhin seine wunderbare Musik.
Reply With Quote
The Following User Says Thank You to ConnieM For This Useful Post:
Roland (08-15-2009)
  #35 (permalink)  
Old 08-07-2009, 07:36 AM
ConnieM's Avatar
Member
 
Join Date: Jul 2009
Location: Germany
Posts: 58
Thanks: 46
Thanked 21 Times in 19 Posts
Laughs: 8
Laughs at 10 Times in 4 Posts
Default

Prioritäten
Ein Philosophieprofessor stand vor seiner Klasse und hatte einige Gegenstände vorbereitet. Als der Unterricht begann, griff er wortlos nach einem großen, leeren Gurkenglas und füllte es mit etwa 4 cm großen Kieselsteinen bis zum Rand. Dann fragte er seine Studenten, ob das Glas jetzt voll sei. Sie stimmten zu.

Als nächstes nahm der Professor einen Beutel mit Glasperlen und schüttete sie in das Glas. Er schüttelte es leicht, und die Perlen kullerten in die freien Zwischenräume zwischen die Steine. Die Studenten lachten, und antworteten auf seine Frage, dass das Glas jetzt wirklich voll sei.
Da holte der Professor eine Schachtel mit Sand hervor und schüttete auch ihn in das Glas. Natürlich füllte der Sand die restlichen Zwischenräume aus.
"Nun," sagte der Professor, "möchte ich, dass Ihr erkennt, dass dies Euer Leben darstellt. Die Kieselsteine sind die wichtigen Dinge: Eure Familie, Euer Partner, Eure Gesundheit, Eure Kinder - alles, das Euch so wichtig ist, dass Ihr am Boden zerstört wäret, ginge es verloren. Die Glasperlen stehen für Euren Beruf, Euer Haus, Euer Auto. Der Sand ist alles übrige, die kleinen Dinge. Wenn Ihr den Sand oder die Glasperlen zuerst in das Glas füllt, dann bleibt für die Kiesel kein Platz mehr. Genauso verhält es sich mit Eurem Leben. Wenn Ihr alle Energie und Zeit auf die kleinen, materiellen Dinge verwendet, werdet Ihr nie für die wirklich wichtigen Dinge Raum finden.
Passt auf die Dinge auf, die entscheidend für Euer Leben sind. Spielt mit Euren Kindern. Setzt Prioritäten. Der Rest ist nur Glasperlen und Sand."
Reply With Quote
The Following User Says Thank You to ConnieM For This Useful Post:
Roland (08-15-2009)
  #36 (permalink)  
Old 08-07-2009, 07:38 AM
ConnieM's Avatar
Member
 
Join Date: Jul 2009
Location: Germany
Posts: 58
Thanks: 46
Thanked 21 Times in 19 Posts
Laughs: 8
Laughs at 10 Times in 4 Posts
Default

Eine Fabel, die von Elder George A. Smith, einem Mitglied des Kollegiums der Zwölf Apostel, erzählt worden ist:

“Ein Mann reiste durchs Land und kam in eine große Stadt, die sehr reich und prächtig
war; er sah sie an und sagte zu seinem Führer: ‚Das muß ein sehr rechtschaffenes
Volk sein, denn ich sehe nur einen einzigen kleinen Teufel in dieser großen Stadt.‘
Der Führer erwiderte: ‚Sie verstehen das nicht; diese Stadt ist jeglicher Art Schlechtigkeit,
Korruption, Erniedrigung und Greuel so ergeben, daß nur ein kleiner Teufel
nötig ist, um sie alle in Schach zu halten.‘
Als der Mann weiterreiste, kam er zu einem steinigen Pfad. Dort sah er einen alten
Mann, der sich abmühte, den Hang zu erklimmen und der von sieben gewaltigen,
wild aussehenden Teufeln umgeben war.
‚Nun‘, sagte der Reisende, ‚das muß ein überaus schlechter Mann sein, sieh nur, wie
viele Teufel um ihn herum sind!‘
‚Das‘, erwiderte der Führer, ‚ist der einzige rechtschaffene Mann in diesem Land.
Sieben der größten Teufel versuchen, ihn von seinem Weg abzubringen und schaffen
es dennoch nicht.‘“ (Deseret News, 11. November 1857, 7:287.)
Reply With Quote
The Following User Says Thank You to ConnieM For This Useful Post:
Roland (08-15-2009)
  #37 (permalink)  
Old 08-15-2009, 12:22 AM
Roland's Avatar
Senior Member
 
Join Date: Feb 2009
Location: Germany
Religion: Mormon / LDS / Christian
Posts: 159
Thanks: 11
Thanked 56 Times in 40 Posts
Laughs: 2
Laughs at 10 Times in 7 Posts
Default Prioritäten

Quote:
Originally Posted by ConnieM View Post
Prioritäten......Setzt Prioritäten. Der Rest ist nur Glasperlen und Sand."
Danke für die Geschichte - Ich kenne eine Version die noch weiter geht. Dann hob der
Professor ein Glas Bier und schütte es in das Glas. Nun wurden auch noch die kleinsten
Zwischenräume zwischen den Sanfkörnen gefüllt und er sagte: "Vergesst bei allem
aber nicht, dass es immer genug Platz für ein Bierchen zwischendurch gibt.
__________________
Any truth is a part of the gospel of Jesus Christ - even if you must go to the heathen nations
to find it - (Brigham Young). Jede Wahrheit ist ein Bestandteil des Evangeliums Jesu Christi -
selbst wenn man zu den heidnischen Völkern gehen muss um sie zu finden.
Reply With Quote
  #38 (permalink)  
Old 11-17-2009, 04:16 PM
stormwitch's Avatar
Member
 
Join Date: Nov 2009
Location: Germany
Religion: Mormon / LDS / Christian
Posts: 67
Thanks: 50
Thanked 28 Times in 19 Posts
Laughs: 10
Laughs at 6 Times in 3 Posts
Default

Die Babuschka

Engel Martens wartete mit dem Buch in der Hand, glücklich, dieses Exemplar erhalten zu haben, auch wenn es schon alt war und die ersten Seiten samt Deckblatt fehlten. Die beiden jungen Amerikaner hatten ihr so viel Freude gebracht, und sie wartete aufgeregt auf die neue Botschaft, die sie ihr heute bringen würden. Der große Krieg war ausgebrochen, nachdem das Kronprinzenpaar in Sarajevo erschossen worden war, und zwei ihrer Söhne waren bereits in Frankreich gefallen. Diese jungen Männer waren ein wenig zu Ersatzsöhnen für sie geworden. Wo sie nur blieben? Engel sah auf den Topf mit kochender Suppe, den sie extra für die beiden zubereitet hatte. Schade, wenn sie nicht gegessen würde. Sie machte sich Sorgen. Inzwischen war schon mehr als eine Stunde vergangen -- ob etwas geschehen war?

Engel sollte es nie erfahren, warum die jungen Männer den Termin nicht einhalten konnten, dass sie nämlich von besorgten Männern zurück in ihre Heimat gerufen worden waren. Für Engel waren sie verschwunden.

Als sie im letzten Jahr des Weltkrieges, wenige Tage vor der Kapitulation, starb, fand sich das alte, abgegriffene Buch jedoch aufgeschlagen auf ihrem Nachttisch. Außer der alten russischen Babuschka, von der Engel immer gesagt hatte, dass sie einen besonderen Schatz in sich berge, welcher einmal die Familie retten würde, fand sich nichts in ihrem Zimmer, das wertvoll genug war, es aufzuheben. Ihr Sohn nahm nur diese ineinander geschachtelten Holzfiguren mit, die so herrlich bunt bemalt waren, und das Buch, das seine Mutter offensichtlich so gern gelesen hatte.

Die Jahre vergingen. Und immer stand in irgendeinem Wohnzimmer die alte Babuschka, die der Familie Glück bringen sollte, und ein altes, schäbiges Buch, von dem keiner genau wusste, wie es hieß und woher es kam. Die Nationalsozialisten kamen und gingen, der Russe übernahm die Macht, Sozialisten regierten hinter einer Mauer aus Beton und Stacheldraht und schließlich wurde diese Mauer unter großen Hoffnungen im Namen der Wende eingerissen.

Doch Hoffnungen schwinden schnell, das mussten auch Ellen und Christof merken. Die Wende hatte ihnen längst nicht den Wohlstand gebracht, den sie sich alle erhofft hatten. Sicher, sie hatten die Freiheit zu wählen, welche Krankenkasse für ihre Arztrechnungen aufkam, und könnten auch nach Mallorca fliegen, wenn sie das Geld dafür hätten, doch daran scheiterte es eben. Ellen hatte ihre Stellung in der Kleiderfabrik schon wenige Monate nach der Öffnung der Grenzen verloren. Rationalisierung - und hatte ihr Mann nicht einen guten Job? - da könnte sie doch solidarisch sein und den alleinerziehenden Frauen den Vortritt lassen.

Doch auch Christof behielt seine Stelle nur wenige Jahre mehr. Die Treuhand hatte seine Firma an ein französisches Unternehmen verkauft, und kaum dass die Förderfrist für Investitionen um war, hatte man die angeblich unrentable Produktionsstätte geschlossen und die Arbeiter entlassen. Eine andere Stelle war nicht zu bekommen; bei mehr als 20 Prozent Arbeitslosigkeit in der Gegend auch nicht weiter verwunderlich. Beide hatten zwar mehrere Fortbildungs- und Umschulungsmaßnahmen mitgemacht, doch außer einem neuen Unterpunkt auf dem Lebenslauf hatte das alles nichts gebracht. Arbeitslosengeld, Kindergeld, Wohnungsgeld, man kam so eben über die Runden; jetzt, wo der neue Vermieter aus dem Ruhrgebiet wieder einmal die Miete erhöht hatte, wurde es jedoch wirklich eng. Irgendwelche Extras waren schon lange nicht mehr drin und der Streit um das liebe Geld war ständig auf der Tagesordnung.

Auch an diesem Abend hatten sich Ellen und Christof gewaltig in den Haaren gelegen, als es an der Tür klingelte. Ellen öffnete und sah zwei junge Männer vor sich, in dunklen Anzügen, mit Namensschildern am Revers. Sie amüsierte sich über den gleichen seltsamen Vornamen „Elder“, den die beiden trugen, sie hatte ihn noch nie gehört. Irgendwie kamen sie ihr gerade recht, vielleicht waren sie in der Lage dazu, ihren Mann zur Vernunft zu bringen.

Sie lud sie ins Wohnzimmer ein. Sie konnte sehen, dass es Christof überhaupt nicht recht war, dass sie die beiden hereingebeten hatte, er explodierte fast. Die beiden stellten sich vor, und begannen über ihre Kirche zu sprechen. Ellen hörte nur mit halben Ohr dem zu, was sie sagten, und antwortete halb abwesend auf die Fragen, die die beiden stellten. Schließlich holte einer von ihnen ein blaues Buch heraus und legte es auf den Tisch. Ein Geschenk, ein Buch, dass ihr Leben verändern könnte.

Christof lachte spöttisch. Wie sollte ein Buch ihm einen Arbeitsplatz bringen! Als die beiden jungen Männer nach einem neuen Besuchstermin fragten, lehnte Ellen freundlich, aber entschieden ab. Auch das Buch wollte sie ihnen zurückgeben, aber sie schüttelten den Kopf. Es sei ein Geschenk, und wenn sie es nicht haben wollten, sollten sie es jemandem anders geben. Aber vielleicht würden sie ja ihre Meinung ändern. Die jungen Männer verabschiedeten sich und die Tür fiel hinter ihnen ins Schloss.

Ehe sie es sich versahen, brannte der alte Streit wieder auf. Die Vorwürfe wurden immer heftiger und als Ellen Christof verzweifelt anschrie: „Dann können wir uns ja gleich scheiden lassen!“, blickte dieser sie nur kurz an, stand auf, nahm seine Jacke und verließ die Wohnung.

Ellen sackte auf dem Sofa in sich zusammen. Als die Weinkrämpfe nachließen und auch die Tränen versiegten, griff sie nach dem Buch, das die Besucher auf dem Tisch hatten liegen lassen. Sie blätterte durch die Seiten und las die Stellen, die mit rotem Buntstift markiert worden waren. Eine Art Bibel, schoss ihr durch den Kopf. Wo hatte sie so etwas schon mal gesehen? Sie grübelte eine Weile und dann fiel es ihr ein.

Sie stand auf und ging mit schnellen Schritten zum Bücherregal, wo ganz versteckt dieses abgegriffene Buch stand, das einmal Christofs Urgroßmutter gehört hatte, und das er mit der alten Babuschka von seinem Vater geerbt hatte. Sie schlug es auf und tatsächlich, auch wenn die Worte etwas anders waren, war es doch der gleiche Text. Sie war fasziniert. Sie las mehr und mehr und hörte schließlich nicht einmal, als der Schlüssel in die Wohnungstür gesteckt worden wurde. Ein blasser, windzerzauster Christof stand plötzlich vor ihr und blickte erstaunt auf sie und das Buch herab. Der Streit war für sie vollständig vergessen.

„Christof, weißt du was für ein Buch das ist, das wir da bekommen haben?“, fragte sie ganz aufgeregt und antwortete im gleichen Atemzug, „es ist das gleiche Buch, wie das, was wir von deiner Urgroßmutter bekommen haben!“

Christof nahm ihr das Buch aus der Hand und betrachtete es neugierig. „Das ist ja wirklich eine Überraschung!“ Er blätterte einige Seiten um. Ellen holte inzwischen die Babuschka heran.

„Christof“, sprach sie ihren Mann ganz ernst an, „Christof, ich glaube, es ist an der Zeit, die Babuschka zu öffnen. Dies ist doch ein Zeichen! Und sei ehrlich, wenn es je eine Zeit gegeben hat, dass unsere Familie gerettet werden müsste, dann ist sie jetzt gekommen! Lass uns sehen, welcher Schatz in der Figur verborgen ist!“

Christof dachte eine Weile nach und nickte dann. Langsam öffnete er Hülle um Hülle. Immer wieder eine neue Figur erschien. Als er die letzte kleine, massive Figur herausholte, fiel ein gelblicher kleiner Zettel aus der Höhlung. Vorsichtig öffnete er das gefaltete Blatt und sah die krakelige Sütterlinschrift seiner Urgroßmutter. Ellen beugte sich über seinen Arm und entzifferte die Zeichen.

„Und durch die Macht des Heiligen Geistes könnt ihr die Wahrheit aller Dinge wissen. Das Buch Mormon ist wahr. Engel Martens“

Christof blickte wie gebannt abwechselnd auf das Buch auf dem Tisch und den Zettel in seiner Hand. Schließlich nahm Ellen das Buch und schlug die Seite auf, auf der eine Adresse und Telefonnummer stand. Dann griff sie zum Telefon.

By me
Reply With Quote
Reply

Thread Tools
Display Modes

Posting Rules
You may not post new threads
You may not post replies
You may not post attachments
You may not edit your posts

BB code is On
Smilies are On
[IMG] code is On
HTML code is Off
Trackbacks are On
Pingbacks are On
Refbacks are Off




All times are GMT -6. The time now is 07:25 PM.

New Posts

Powered by vBulletin® Version 3.8.3
Copyright ©2000 - 2013, Jelsoft Enterprises Ltd.
Content Relevant URLs by vBSEO 3.1.0



TERMS & CONDITIONS | HELP | CONTACT US | INVITE | RSS FEEDS | ABOUT US | GET INVOLVED | ARCHIVE
*** LDS Social Network ***
More Good Foundation. All rights reserved.

Header art used by permission of Mark Mabry and Reflections of Christ.

LDS.Net is not owned by or affiliated with The Church of Jesus Christ of Latter-day Saints (sometimes called the Mormon Church or LDS Church). The views expressed herein do not necessarily represent the position of the Church. The views expressed by individual users are the responsibility of those users and do not necessarily represent the position of the More Good Foundation. For the official Church websites, please visit LDS.org and Mormon.org.